Haus Nr.14/15 Weißenhofsiedlung-Le Corbusier

Haus Nr. 14/15
Weißenhofsiedlung

Angaben zum Bauwerk

Das in dem Gebäudekomplex „Weißenhofsiedlung“ in Stuttgart stehende Gebäude ist das 14. und 15. von insgesamt 33 Wohnhäusern, welche im Stil „Neues Bauen“ erbaut wurden. Es handelt sich bei diesem Gebäude um ein Doppelhaus. Es wurde von Le Corbusier (1887-1965) 1925 bis 1927 geplant und innerhalb der darauffolgenden Jahre zwei Mal umgebaut. Heutzutage ist das Haus Nr. 14 ein Museum über die gesamte Wohnsiedlung und das Haus Nr.15 ein zu besichtigendes möbliertes Wohnhaus in dem ursprünglichen Stil.

Das Gebäude ist dem Stil entsprechend quaderartig aufgebaut. Da das Erdgeschoss nicht auf der Straßenhöhe liegt, ist es über die beiden Außentreppen zugänglich. Anstelle von einer Wand wurden in gleichmäßigen Abständen tragende Stützen gebaut, die das ganze Gebäude durchlaufen. Der Eingangsbereich ist offen, eingeschoben und dadurch überdacht. Die Fassade des 1. Obergeschosses ist geprägt durch ein durchgängiges Fensterband und ist zwischen den zwei Haushälften mit einer Art Sichtschutz versehen. Das Dachgeschoss ist geschützt durch einen teilweise überdachten Bereich und eine Mauer an der Rückseite.

Hier zum genauen Standort.

Grundrisse

Erdgeschoss (EG)

 

Wohngeschoss (1.OG)

 

Dachgeschoss (2.OG)

 

 


Funktion

Das ursprüngliche Gebäude sollte den „Grundbedürfnisse des menschlichen Wohnens“ dienen. Dabei sollte das Haus ein Gebrauchsobjekt („Wohnmaschine“) sein und nicht zu repräsentativen Zwecken verwendet werden, wie es im Neoklassiszismus üblich war. Dies galt als „Neues Wohnen“, denn zu der Zeit stand nicht immer die praktische Funktion im Mittelpunkt.

Bereits beim Eingang kann man diese Funktion anhand der Überdachung, die den Menschen vor der Witterung schützen soll, erkennen. Ebenfalls sind im Erdgeschoss die Abstellräume sowie der Hauswirtschaftsraum klar von dem Wohnbereich getrennt. Da das Treppenhaus alle Etagen bis zum Obergeschoss durchläuft, kann man gut in die anderen Etagen kommen ohne andere Bewohner zu stören. Auch für eventuelle Bedienstete gibt es ein eigenes Zimmer.

Ein Hauptmerkmal des Hauses sind die verschiebbaren Trennwandmodule, die dem Haus einen variablen Grundriss ermöglichen. Die Schränke bieten tagsüber Stauraum für die Betten, woran deutlich wird, dass dieses Haus an Tag und Nacht angepasst werden kann. Der Flur dient als Verbindungsstück zwischen den einzelnen Abteilen, sodass man nicht durch alle hindurchgehen muss. Es befinden sich ebenfalls ein Gästebad sowie ein Hauptbad im Wohngeschoss, welche Privatsphäre gegenüber den Besuchern ermöglichen. Das Fensterband sorgt für viel natürliches Licht und einen guten Ausblick durch das erhöhte Wohngeschoss.

Die Dachterrasse ermöglicht es dem Bewohner trotz der zentralen, städtischen Lage ein wenig Natur und Ungestörtheit unter freiem Himmel zu genießen. Bei Regen besteht die Möglichkeit, sich unter die Teilüberdachung zu stellen. Im Inneren dieses Geschosses ist die Bibliothek und das Arbeitszimmer zu finden, indem man ungestört produktiv sein kann.

In diesem Gebäude lassen sich Corbusiers üblichen „fünf Punkte der Architektur“ erkennen. Beginnend mit dem variablen Grundriss sowie die Hochstellung des Erdgeschosses. Dies wird ermöglicht durch Pilotis (regelmäßige Betonstützen), die durch das gesamte Haus gehen. Die Dachterrasse und das durchgehende Fensterband, sind in dem Bauwerk wiederzufinden. Die freie Fassadengestaltung ist zu erkennen an den offenen und geschlossenen Partien , die die Trennung und Verknüpfung der äußeren Gestaltung von der Baustruktur ermöglichen.

Später bekam das Haus eine neue Funktion. Es wurde zu einem Museum dieser Siedlung umgebaut sowie das eigentliche Wohnen im anderen Teil des Gebäudes nachgestellt, was diesen Teil zu einem begehbaren Exponat macht.


Architekturgeschichtlicher Kontext

Das Gebäude Haus Nr.14/15 in der Weißenhofsiedlung, welche zu den einflussreichsten Vorbildern der modernen Architektur gehört, wurde 1925 bis 1927 erbaut und ist somit Teil der Moderne. Demnach befinden wir uns in einer Zeit nach dem Expressionismus, welcher bereits die Grundsteine für das Prinzip neue Wege zu gehen legte, und vor der Postmoderne. Das Gebäude wurde durch den Funktionalismus, den Internationalen Stil sowie die Neue Sachlichkeit geprägt. Der Funktionalismus beschreibt, dass der ästhetische Aspekt im Hintergrund steht und der Pragmatische im Vordergrund (schlichte Außenfassade, simple Struktur). Der Internationale Stil wird charakterisiert durch die Verknüpfung von unterschiedlichen Funktionsbereichen und regelmäßigen Strukturen (jede Etage hat ihre eigene Funktion). Die Neue Sachlichkeit legt einen besonderen Fokus auf die zweckbetonte Bauweise (Verschiebbare Module, Tag/Nacht Möblierung). Das Gebäude und die Weißenhofsiedlung werden dem Stil „Neues Bauen“ zugeschrieben, welcher „Neue Sachlichkeit“, „Neues Frankfurt“, „De Stijl“ und „Bauhaus“ beinhaltet.

Auch spiegeln sich Corbusiers „5 Punkte der Architektur“ in diesem Gebäude wider: Der variable Grundriss, Pilotis, eine Dachterrasse, das durchgehende Fensterband sowie eine freie Fassadengestaltung. So ist es eindeutig zu erkennen, dass es sich bei dem Haus Nr. 14/15 der Weißenhofsiedlung um ein Gebäude Corbusiers handelt.